Begegnung mit einer anderen Kultur
Dithmarscher Musikschüler erleben spannende Tage in Moskau
Heide – Im Rahmen eines Austauschprojekts der Dithmarscher Musikschule vom 05. – 11. April reiste eine neunköpfige Gruppe in die russische Hauptstadt: Zwei Swing- und Jazzensembles, eine Mutter zur Unterstützung und Richard Ferret, der Leiter der Dithmarscher Musikschule. Ein Erlebnisbericht von Marco Podobnik.
Wir reisten nach Moskau, um unsere Musik zu spielen – doch wir bekamen mehr als Applaus. Neben meinen Bandkollegen von Controversial Caspar Engelkes (Klavier), Stefan Wyrembek (Gitarre), Lennart Voß (Schlagzeug) und mir (Saxophon) spielte auch das Ensemble Swingtime bestehend aus Alicia Behrendt (Klavier), Janek-Joel Stadie und Laura Gleisenstein (beide Klarinette). Alle wurden in Gastfamilien aufgenommen. Mit fremden Menschen am Küchentisch – schon das war ein kleines Abenteuer. Caspar und ich wohnten zusammen bei einer kleinen Familie: eine Mutter, Musikerin von Beruf, ihr Sohn und eine Katze. Ausgestattet mit Deutsch-Englisch-Russisch-Wörterbüchern versuchten wir uns zu verständigen und wenn nichts davon half, blieb die Körpersprache. Dass Caspar auf unserem Gymnasium Russisch ab der 11. Klasse gewählt hatte, war allerdings eine große Erleichterung.
Jeden Morgen beim Frühstück sahen wir zusammen mit der Familie neben russischen Kinderfilmen auch die internationalen Nachrichten, die außer einem betrunkenen Berlusconi auch den Sandsturm in Deutschland zeigten – ein für uns ungewohntes Naturschauspiel. Das Frühstück gestaltete sich als äußerst üppig, denn wir genossen zahlreiche Spezialitäten wie Blinis, heiße Pfannkuchen mit süßem Quark gefüllt, die wir aus der Milchschnitte-Werbung mit den (ukrainischen) Klitschko-Brüdern kennen, aber auch Müsli und Käsebrötchen. Vor allem viel. Danach konnten wir aufbrechen. Vorbei an den hohen Flachbauten der moskauer Peripherie begaben wir uns unter die Erde, um einen anderen Teil des Stadtlebens kennenzulernen.
Die Moskauer Metro. Bis zu neun Millionen Fahrgäste täglich benutzen diese U-Bahn und wir waren eine Woche lang Teil davon. Wie die Schafherde in Charlie Chaplins Moderne Zeiten (1936) trappelt man in der Hauptverkehrszeit zwischen 7-10 und 17-20 Uhr zum Ausgang oder zu einer weiteren Linie. So nahm es jeden Tag lange Zeiten in Anspruch, bis wir ein Ziel erreicht hatten. Caspar und ich wohnten im Süden Moskaus und hatten jeden Morgen mindestens einundhalb Stunden zu fahren. Besonders in der U-Bahn bemerkten wir Landeier die Nachteile einer Millionenstadt: Inmitten solcher Menschenmassen herrscht Anonymität und die Dichte der umgebenden Personen löst Stress aus. Vor allem mussten wir darauf achten, durch die ein- und ausströmenden Menschen nicht unsere Gruppe zu verlieren.
Auf unseren Fußmärschen durch die Stadt wurden wir von einem deutschsprachigen Moskauer begleitet, der uns in jeder Situation helfen konnte – beispielsweise beim Umtauschen des Bargelds von Euro in Rubel. Zusammen besichtigten wir die prächtigen Kirchen der christlich-orthodoxen Religion, den Kreml, Kunstausstellungen, einen alten Moskauer Zirkus (Nikulin Zirkus), einer von zweien seiner Art, und zwei Klassische Konzerte – ein kleiner Teil der Gruppe ließ es sich auch nicht nehmen, das moskauer Nachtleben zu erkunden und ein Ska-Konzert zu besuchen.
Auch wir gaben zwei Konzerte in Musik-orientierten Schulen. Ich erinnere mich an unseren zweiten Auftritt: Wir wurden von der Schulleitung und einer Gruppe von traditionell gekleideten Schülerinnen empfangen, die uns Brot und Salz reichten. Eine Geste, die unvergesslich bleibt. Die russische Gastfreundlichkeit beeindruckte uns stets hinsichtlich der immensen Bereitschaft, uns einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Unsere Gastfamilien waren dafür beispielhaft, dort war nichts mehr von der großstädtischen Anonymität und Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen zu spüren. Die Gastfreundlichkeit hierzulande unterscheidet sich dagegen deutlich. Oft erklärt man sich nicht einmal bereit, Gastschüler aus anderen Ländern aufzunehmen.
Unser Besuch in Moskau gestaltete sich also als sehr vielseitig. Wir lernten eine andere Kultur kennen, die übrigens vom Einfluss des Westens immer noch wahrnehmbar abgegrenzt ist (allerdings gibt es auch dort Schnellrestaurants wie McDonalds oder Subway). Wir sammelten viel an Erfahrung, stärkten die Beziehungen innerhalb unserer Gruppe und knüpften neue Bekanntschaften – kurz gesagt: Musik verbindet. Unsere Konzerte waren demnach nicht der Beweggrund für die Reise, aber ohne unsere Instrumentalausbildung hätte es eine solche Möglichkeit nicht gegeben. Weiterhin werden wir mit unseren russischen Gastfamilien in Kontakt bleiben und den interkulturellen Austausch pflegen – nicht zuletzt über das Internet (facebook).
An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Ferret bedanken. Diese Fahrt nach Moskau war meine vierte nach Russland und meine achte Auslandsreise mit der Dithmarscher Musikschule. Nicht nur ich habe davon mehr als profitiert.
Zwei Konzerttermine:
Am Sonntag, den 08. Mai, um 11:30 Uhr wird ein Mädchenchor einer russischen Musikschule in St. Petersburg, die Partner der Dithmarscher Musikschule ist, zusammen mit dem Jazzensemble Controversial in der Markthalle in Heide ein kleines Konzert geben. Lassen Sie sich verzaubern!
Die Band Controversial spielt am 28. Mai in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Schleswig-Holstein auf der 2. Dithmarscher Theaternacht im Meldorfer Landesmuseum.
